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Muss ich als Touristin im Iran immer ein Kopftuch tragen? Kann ich mit Karte bezahlen? Bekomme ich einen Stempel in den Pass und kann ich dann überhaupt noch in die USA einreisen? Bevor du in den Iran reist, solltest du dich über einige Dinge informieren, um böse Überraschungen zu vermeiden.

In meinem letzten Blogpost über Iran habe ich euch 10 Gründe genannt, weshalb sich eine Iranreise lohnt. Dieses Mal geht es um ein etwas ernsteres Thema, das jedoch genauso wichtig ist. Es gibt nämlich einige Regeln und Umstände, die vor einer Iranreise unbedingt beachtet werden sollten.

In diesem Blogpost verrate ich euch ein paar Tipps und Tricks um eure Reise so angenehm verlaufen zu lassen wie möglich.

Iran Reise

Politik und Gesetze

Wer sich ab und zu mit Tagesmedien beschäftigt, der hat sicherlich von Irans Atomabkommen gehört oder dem aktuellen Konflikt zwischen dem Staatschef der islamischen Republik und dem US-Präsident Trump.

Ehrlich gesagt gehöre ich eher zu den Menschen, die sich nicht so sehr für Politik interessieren. Mir reicht es meistens, das Nötigste mitzubekommen. Doch was ist im Falle Iran das Nötigste? Reicht es zu wissen, dass der Iran irgendwie mit Atombomben, Krieg und Islam in verschiedenen Schlagzeilen erwähnt wurde?

– Nicht, wenn du in den Iran reist. Denn zur Politik gehört viel mehr als nur die Staatsform und den Staatschef zu kennen. Im Iran herrschen strenge Gesetze, die beispielsweise Steinigung, Peitschenhiebe und Diskriminierung anderer Glaubensformen miteinschließen.

Doch keine Panik! Solange man sich an die Gesetze hält, droht einem als Tourist keine Gefahr. Auch in China werden beispielsweise immer noch zahlreiche Todesstrafen ausgeführt, was das Land für Touristen nicht gefährlicher macht. Allerdings ist es wichtig, diese zu kennen, damit man nicht in ein Fettnäpfchen tritt.

 

Die Kleiderordnung

Ein Teil der Strafgesetze im Iran umfasst die Kleiderordnung für Frauen und Männer, die sich ziemlich unterscheidet. Männern werden einige Freiräume gelassen, während Frauen dazu verpflichtet sind, immer ein Kopftuch und lockere Kleidung zu tragen. Heutzutage halten sich nicht mehr alle Frauen an die strengen Regeln. So sieht man vor allem in den Großstädten immer mehr Frauen mit Mütze oder Cappie statt Hijab und enganliegenden Hosen oder kurzen Oberteilen. Auch die Kopftücher werden immer dünner und rutschen teilweise bis tief an den Hinterkopf. Die Mehrheit der Frauen trägt zudem konsequent einen langen Mantel – DAS IT-Piece im Iran.

Als Tourist würde ich empfehlen sich die Kleiderordnung gut durchzulesen und lieber etwas vorsichtiger zu sein um Provokationen zu vermeiden. Übrigens – man wird nicht direkt verhaftet, wenn das Kopftuch mal nach hinten gerutscht ist. Die Polizei verteilt zunächst höfliche Warnungen, solange man sich dann der Aufforderung beugt.

Vor allem in Restaurants oder Hotels sahen wir immer wieder Frauen, die ohne Kopftuch am Tisch saßen. Allerdings wurden wir auch einmal in einem Café gebeten es aufzusetzen, vermutlich weil die großen Fenster freien Blick auf eine große Straße boten. Außerdem muss man vor allem an religiösen Orten oder vehrkehrsreichen Straßen darauf achten, dass das Kopftuch richtig sitzt und nicht droht zu verrutschen.

Jeans und T-Shirt kann man problemlos tragen, allerdings am besten mit einem längeren Cardigan oder einem langen Mantel kombiniert. Bei Schuhen haben beide Geschlechter freie Wahl. Bei Make-up oder Schmuck gibt es ebenfalls keine Limitierungen.

Iran Kleiderordnung

Jeans und T-Shirt werden in der weiblichen Kleiderordnung toleriert, solange man einen längeren Cardigan darüber trägt.

Die Sache mit dem Geld

WICHTIG: Im Iran kann man nicht mit Karte zahlen.

Das bedeutet: Genug Bargeld mitnehmen.

Einige ausgewählte Läden (z.B. Teppichhändler) akzeptieren internationale Kreditkarten mit einer kleinen Gebühr. Wir haben kein einziges Mal mit Karte gezahlt, sondern ausreichend Bargeld mitgenommen und vor Ort in die lokale Währung umgetauscht.

Der Wechselkurs war für uns der wahrscheinlich größte Überraschungsfaktor. Der tatsächliche Wechselstubenkurs ist nämlich circa 3x höher als der Wert, den Google ausspuckt. Informiert euch daher vor eurer Reise über beide Kurse und tauscht immer nur in offiziellen Wechselstuben. Auf der Straße (vor allem am Flughafen) gibt es viele Betrüger, die euch zu einem schlechten Kurs Bargeld andrehen wollen.

Geld abheben ist ebenfalls nicht möglich, also bringt einfach genügend Euro-Scheine mit. Am Ende werdet ihr wahrscheinlich viel weniger ausgeben als erwartet, da die Preise im Iran sehr günstig sind.

 

Preise

Damit kommen wir auch schon zum nächsten wichtigen Punkt. Um auszurechnen, wie viel Geld du circa für eine Reise benötigst, musst du natürlich die Preise im Iran einschätzen können. Wir haben mit 20€ Bargeld pro Tag gerechnet und haben am Ende fast halb so viel für 2 Personen benötigt. Buche am besten alle Hotels und Tour Guides vorher, damit du den genauen Betrag kalkulieren kannst. Fragt dafür gerne Mostafa von Iran Free Tours an, euch einen Kostenvoranschlag zu schicken. Solltet ihr eine Tour bei der Agentur Iran Free Tours buchen, könnt ihr das Geld am ersten Tag einfach in bar mitbringen.

Größere Anschaffungen lassen sich übrigens auch in Euro bezahlen – aber bitte in bar, dann lässt sich ein Rabatt aushandeln.

Teppiche

Wir konnten nicht widerstehen und erwarben einen originalen Perserteppich für 250€.

Visum

Ist es schwer, ein Visum zu bekommen? Wie lange dauert das und was kostet das? Bekomme ich einen Stempel in den Pass und kann ich danach noch in die USA einreisen?

Als Deutscher bekommt man sehr leicht ein Visum. Dafür hat man 2 Optionen:

  1. VISA on arrival: Dauert lange, aber geht direkt am Flughafen. Eine internationale Krankenversicherung sollte man vorher abschließen, z.B. bei oder UKV. Notfalls kann man diese auch noch im Iran am Flughafen abschließen, was dann allerdings um einiges teurer werden kann und den ganzen Prozess nochmal verlangsamt.
  2. Die schnellere Variante: Man beantragt vorher eine Reference Nummer. Dabei kann euer Tour Operator helfen. Mit dieser Nummer haben wir am Flughafen nur circa 15 Minuten auf unser Visum warten müssen. Die Versicherung hatten wir auch schon vorher abgeschlossen und so kostete das Visum uns nur 75€ pro Person für 28 Tage.
  3. Die schnellste Variante: Man beantragt eine Reference Nummer und holt sich dann im iranischen Konsulat ein Visum. Damit kann man dann am Flughafen direkt durch die Passkontrolle gehen. Da die Konsulate sich nur in größeren deutschen Städten wie Berlin , Frankfurt oder München befinden, könnte Variante 2 unterm Strich doch die schnellste sein.

 

Man bekommt übrigens keinen Stempel mehr in den Pass. Vor einigen Jahren war das noch so, doch heutzutage nicht mehr. Darum lasst euch nicht verunsichern, wenn ihr alte Erfahrungsberichte lest. Im Jahr 2019 bekommt man ein elektronisches Visum, das die Beamten am Flughafen in ihrem System auslesen können. Also: Kein Stempel, kein Problem.

Auch die Einreise nach Israel stellt kein Problem dar. In Israel bekommt man bei der Einreise ebenfalls keinen Stempel in den Reisepass, sodass ihr theoretisch direkt nach einem Urlaub in Israel in den Iran reisen könnt. Das gleiche gilt für die USA und etwaige andere Länder mit politischen Differenzen.

 

Einreise als UK, USA oder Canada Bürger

Solltet ihr ein Staatsbürger einer dieser dreien Länder sein, stellt sich die Iranreise etwas komplizierter dar. Das Visum ist eventuell teurer, doch es sollte ebenfalls problemlos ausgestellt werden.

Das einzige Problem: Als Brite, US-Amerikaner oder Kanadier darf man nicht auf eigene Faust durch den Iran reisen. Eine organisierte Tour wie unsere ist aber kein Problem. Unsere gesamte Reise wurde von Iran Free Tours durchgeplant und organisiert. Vor Ort haben wir einige Pläne spontan abgeändert und hatten abends viel Freiraum.

Solltest du dir wegen dieser Regelung unsicher sein, frag am besten bei Iran Free Tours nach den genauen Abläufen und Freiheiten bei einer organisierten Tour. Mostafa und Fatima beantworten gerne alle deine Fragen.

 

Sprachbarriere

Das Reisen im Iran stellt sich manchmal als schwieriger dar, als in anderen Ländern. Grund dafür ist die Sprachbarriere, denn die meisten Iraner sprechen entweder nur sehr schlecht oder gar kein Englisch. Wenn ihr also nach dem Weg fragt, wendet euch am besten an junge Personen. Die sprechen meistens ganz gut Englisch.

Wir hatten allerdings auch einige Tour Guides oder Driver, deren Englisch nicht so gut war. Auch in Restaurants war die Kommunikation manchmal etwas kompliziert. Vor allem, weil noch eine kulturelle Barriere hinzukommt.

Man ist auf der sicheren Seite, wenn man mit einem Tour Guide oder Local unterwegs ist. So kann man sich alles auf Persisch übersetzen lassen und bekommt auch im Restaurant immer das, was man will.

 

SIM-Karten und Internet

Im Iran gibt es sehr schnelles, günstiges Internet. Es lohnt sich also, eine iranische SIM-Karte zu kaufen. 1 GB kostet etwa 1€ und man kann jederzeit Daten dazubuchen.

Einziges Problem: Einige Seiten und Programme sind gesperrt. Dazu gehören unter anderem:

  • Facebook
  • YouTube
  • VPN-Seiten
  • Adobe Creative Cloud (Photoshop und Lightroom Lizenzen können nicht abgerufen werden)

Dafür gibt es aber eine Lösung: VPN-Klienten. Lade dir am besten schon zuhause einen VPN herunter und installiere ihn direkt auf dem Laptop und Handy. So sparst du dir Zeit und Nerven auf deiner Reise.

 

Die beste Reisezeit

Der Iran lässt sich zu jeder Jahreszeit bereisen, je nach Interessen. Im Winter gibt es abenteuerreiche Ski-Gebiete im Norden und angenehm milde Temperaturen im Süden des Landes. Sobald der Frühling eintritt, blühen die wunderschönen Gärten und Blumenwiesen. In den Sommermonaten bietet sich vor allem der Norden Irans als Reiseziel an, der ein ähnliches Klima aufweist wie Zentraleuropa. Selbst in den heißesten Sommermonaten Juli und August kommen einige Touristen in den Iran.

Als beste Reisezeit werden allerdings die Monate März bis Mai und September bis November vorgeschlagen. Im April ist Hochsaison und die meisten Touristenspots sind überflutet. Wir waren im Februar unterwegs und die Touristenmenge war überschaubar. Die Temperaturen bewegten sich zwischen 5 Grad in Teheran und 21 Grad in Schiras, im Süden des Landes. Wüstengebiete erreichen manchmal Temperaturen von über 50 Grad. Es ist also für jeden etwas dabei.

Iran

Im Winter kalt, im Sommer angenehm – die Iraner bevorzugen das milde Klima in der Hauptstadt Teheran.

 

Die iranische Küche

Zu guter Letzt gehe ich auf einen für alle Foodies sehr wichtigen Punkt ein: Das Essen im Iran.

Kann man sich vegan ernähren? Gibt es glutenfreie Optionen?

Ja, es gibt immer vegane Optionen. Allerdings sind diese manchmal sehr begrenzt. In einigen persischen Restaurants war die einzige vegane Option ein Auberginen-Gericht, das sich auf Anfrage ohne Joghurt zubereiten lässt. Das Gericht wird immer glutenfrei zubereitet. Reis und Brot sind meistens als Beilage mit dabei. Manchmal gab es statt Reis nur Brot, doch das war eine Seltenheit.

Falls ihr mal keine Lust auf Aubergine habt, könnt ihr beispielsweise auf Tripadvisor, Google Maps oder HappyCow nach gut bewerteten Restaurants in eurer Nähe suchen. Auf Google habe ich ein paar Bewertungen hinterlassen – vielleicht findet ihr sie ja sogar?

Tipp: Für Rohveganer wäre eine Reise im Sommer empfehlenswert, wenn die Früchte reif sind. Es wird nämlich nicht viel importiert und demnach ist die Auswahl an Rohkost im Winter beschränkt. So findet man teilweise fast nur Mandarinen, Datteln und Äpfel im Winter.

Iran Food

Wenig Abwechslung als Veganer: Doch Reis, Aubergine, Brot und Salat gibt es immer.

 

Noch Fragen?

Ich hoffe du fühlst dich jetzt ein bisschen besser informiert und kannst dich entsprechend auf deine Reise vorbereiten. Wenn du noch Fragen hast, lese dir auf jeden Fall meinen anderen Blogpost durch. In meinen Story Highlights habe ich außerdem unsere ganze Iranreise dokumentiert.

 

Viel Spaß beim Reisen & danke fürs Lesen!

xx

Laura

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