Soziale Berufe Und Ihre Vorurteile – Zu Besuch bei der Diakonie Stetten
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Pflegekräfte sind gefragter denn je. Trotzdem können sich leider nur wenige junge Leute für eine Ausbildung in diesem Bereich begeistern. Das Klischee: Soziale Berufe sind voll anstrengend und schlecht bezahlt. Aber ist das auch wahr? Bei meinem Besuch in der Diakonie Stetten wurde ich von den Mitarbeitern und Azubis direkt vor Ort über die größten Vorurteile aufgeklärt. Außerdem durfte ich in die Arbeitsabläufe der Auszubildenden reinschnuppern und alle möglichen Fragen stellen. Zum Beispiel, warum sie denn einen sozialen Ausbildungsberuf gewählt haben – und es euch auch ans Herz legen würden.

 

Die Diakonie Stetten

An einem wunderschönen, sehr nebligen Montagmorgen lud mich die Diakonie Stetten ein, ihre verschiedenen Standorte zu besuchen, die sich alle in der Nähe von Stuttgart befinden. Der Tag begann für mich früh morgens an der Ludwig-Schlaich-Akademie (kurz: LSAK) in Waiblingen, wo ich den Geschäftsführer und ein paar Auszubildende kennenlernte. Azubis, die sich für einen sozialen Beruf entscheiden, werden hier ausgebildet. Von Altenpflege über Heilerziehungsspflege bis hin zur Arbeitserziehung werden hier verschiedenste Ausbildungen und Studienrichtungen angeboten. Zurzeit gibt es in der Diakonie Stetten 248 Auszubildende und 171 Personen, die einen Freiwilligendienst absolvieren.

 

Arbeitserziehung

Diakonie Stetten

Nach der LSAK wurde ich in die Remstal Werkstätten in Fellbach geführt, wo ich eine Auszubildende aus dem Bereich Arbeitserziehung traf. Einer der Klienten (so werden die betreuten Personen hier genannt) war ebenfalls mit dabei und plauderte über seinen Alltag in der Werkstatt. Die unglaubliche Positivität und Lebensfreude, die in seinen Worten mitschwang, hat sich bei mir total eingebrannt. Ich habe seine Dankbarkeit sofort gespürt und seine freundliche, ungezwungene Ausstrahlung hat mich sehr berührt. Es gibt so viele Berufe, bei denen man sich mit undankbaren Menschen plagen muss – doch die Remstal Werkstätten sind genau das Gegenteil. Dass die Menschen so große Freude an den simplen Dingen des Alltags haben, fand ich toll zu sehen. Da können sich so viele berufstätige Menschen eine Scheibe von abschneiden. Die Auszubildende, die sich um den Klienten kümmerte, wirkte wie eine große Schwester. Sie erzählte mir, dass Ihre täglichen Aufgaben am Arbeitsplatz sehr vielfältig sind und einige Überraschungen mit sich bringen.

Der Wohnbereich

Die nächste Station unseres Besuchs war der Wohnbereich Schloss in Kernen, wo ich weitere Azubis traf, die sich gerade um einen Klienten kümmerten. Gemeinsam mit dem älteren Herrn spielten sie ein Gemeinschaftsspiel und zeigten mir die wunderschöne Anlage mit Aussicht auf die Weinberge. Das gesamte Gelände ist sehr idyllisch und umfasst sogar ein kleines Schloss. Franziska Mayer, eine 20-jährige Praktikantin, erzählte mir, dass sich die Pflegekräfte regelmäßig um bestimmte Klienten kümmern und so eine Bindung aufbauen können. Sie wirkten auf mich wie ein gut eingespieltes Team. Nach ihrem Praktikum wird Franziska Mayer eine Ausbildung bei der Diakonie Stetten beginnen, weil ihr die Arbeit so viel Spaß macht.

Diakonie Stetten - Wohnbereich Kernen

Wir führten unseren Besuch in den Remstal Werkstätten in Kernen fort, die sich nur ein paar hundert Meter weiter befinden. Dort arbeiten Menschen mit Behinderung an Verstellschrauben und werden dabei von FSJlern unterstützt. Ein Freiwilligendienst ist übrigens eine prima Möglichkeit, um in soziale Berufe reinzuschnuppern und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Diakonie Stetten - Remstalwerkstätten

Die Werkstatt

Nebenan befindet sich die alte Schreinerei. Dort sprach ich mit mehreren Mitarbeitern, die mich über die Produktion aufklärten. Aktuell wird dort nämlich ein Auftrag der Childhood-Foundation bearbeitet, bei dem die Klienten Armbänder für die Kinderrechtsorganisation herstellen. Es ist eine sehr schöne und kreative Arbeit für die Menschen mit Behinderung, die dort an den Schmuckstücken werkeln. Die 22 Perlen müssen in der richtigen Reihenfolge aufgefädelt werden, denn jede Farbe steht für einen Paragraphen der UN-Kinderrechtskonvention.

René, der Auszubildende mit dem ich sprach, machte einen sehr entspannten und zufriedenen Eindruck. Der 24-Jährige ist seit drei Jahren in den Remstal Werkstätten dabei und hat schon vieles verschiedenes während seiner Ausbildung erlebt. Das schönste und größte Gehalt, das die Azubis seiner Meinung nach bekommen, ist die Zuneigung die man von den Bewohnern erhält und die Freundschaften, die sich daraus entwickeln.

Die Schreinerei wirkte auf mich wie eine gemütliche Werkstatt. Die Atmosphäre war sehr familiär und fröhlich und ich fühlte mich dort richtig wohl. Die Remstal Werkstätten bekommen regelmäßig Aufträge von Kunden wie der Childhood-Foundation, die sie vor Ort umsetzen. Es ist also sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Menschen mit Behinderung eine spannende und abwechslungsreiche Arbeit.

Diakonie Stetten

Diakonie Stetten

Altenpflege

Nach der Mittagspause ging es weiter in das Alexander-Stift in Kirchberg an der Murr, ein Gemeindepflegehaus für Senioren. Die fröhliche Mitarbeiterin Anna und der FSJler John stellten sich mir direkt vor und führten mich durch das lichtdurchflutete Gebäude. Es war gerade Mittagsruhe und die Bewohner befanden sich größtenteils auf ihren Zimmern.

Einer der Bewohner, Herr Gieser, war ebenfalls anwesend und unterhielt sich mit Anna im Wohnbereich. Die beiden verstanden sich so prächtig, dass mir das Herz aufging. Man merkte, dass sie ein eingespieltes Team sind und sich beide im Alexanderstift sehr wohl fühlen. Ich begleitete die beiden bei ihrer Kaffeepause und einer Zimmertour. Anschließend wurde bei Herr Gieser eine Blutdruckmessung durchgeführt.

Anna ist seit 2010 im Alexander-Stift, wo sie mit einem halbjährigen Praktikum begann. Sie wurde sofort als Pflegehelferin übernommen und ist seit letztem Jahr in Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin. Ihren Arbeitstag beginnt sie mit der Vorbereitung des Speisesaals und der Grundpflege bei den Bewohnern bis circa 10 Uhr. Vormittags werden die Bewohner betreut und beschäftigt. Nach dem Mittagsessen geht Anna oft mit den Menschen spazieren. Sie trägt große Verantwortung, denn sie ist auch für die Gesundheit der Bewohner mitverantwortlich. Während der Ausbildung lernt sie sehr viel über Medizin und könnte nach Abschluss auch im Krankenhaus oder im ambulanten Dienst arbeiten.

John erzählte mir ebenfalls von seinen täglichen Aufgaben. Meistens hilft er in der Küche mit, macht die Wäsche und kümmert sich um weitere unterstützende Tätigkeiten. Das FSJ hat er gewählt, um ein Jahr zu überbrücken und weil er sich gern einen sozialen Beruf näher ansehen wollte. Besonders gern verbringt er Zeit mit den Bewohnern des Hauses.

Diakonie Stetten - Alexanderstift Diakonie Stetten - Alexanderstift

Freizeitprogramm

Die letzte Station der Diakonie Stetten, die ich an diesem Tag besuchte, befindet sich mitten in Stuttgart. Beim „Teenie-Treff“, einem Angebot der Offenen Hilfen, handelt es sich um ein Freizeitprogramm für Jugendliche mit Behinderung, die sich hier regelmäßig treffen. Nachdem sich alle Teilnehmer versammelt hatten, wurde ein Geburtstagsständchen gesungen und Kuchen gegessen. Während der kleinen Geburtstagsfeier übernahm der Gruppenleiter Thomas Sereke das Wort und führte eine Abstimmung durch, die das anschließende Freizeitprogramm bestimmte. Jedes Mal wird über das Programm von Neuem abgestimmt. Dieses Mal entschieden sichdie Jugendlichen für Fußball und Brettspiele. Während der Großteil der Jungs zum Fußballfeld lief, entschieden sich ein paar der Mädels sich für „Mensch Ärgere Dich Nicht“ und auch am Tischkicker wurde sich verausgabt.

Da es sich um meine letzte Station handelte, verabschiedete ich mich und machte mich anschließend voller neuer Eindrücke und mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf den Weg nach Hause.

Diakonie Stetten - Teenietreff Stuttgart Diakonie Stetten - Teenietreff Stuttgart

Fazit

Dia Diakonie Stetten bietet eine breite Palette an Ausbildungsberufen und Studiumsmöglichkeiten in spannenden Feldern. Alle besuchten Stationen hatten ihren eigenen Flair, da der Alltag von den Individuen gestaltet wird, die dort arbeiten und leben. Jeder der Orte hatte für mich etwas Magisches, Unbeschwertes. Die Menschen, die man an den verschiedenen Standorten antrifft, sind so einzigartig und besonders, dass man es kaum in Worte fassen könnte. Wenn man sich für einen Ausbildungsberuf bei der Diakonie Stetten entscheidet, erwarten einen mit Sicherheit viele schöne Überraschungen, Herzensmomente und wundervolle Freundschaften.

Das Klischee, dass soziale Berufe nur nervenaufreibend seien, ließ sich bei meinem Besuch keineswegs bestätigen. Die Arbeit ist zwar anspruchsvoll, gibt einem aber auch sehr viel zurück. Am positivsten hat mich die Fröhlichkeit überrascht, mit der die Auszubildenden, Mitarbeiter und Klienten ihre Arbeit erledigen. Wenn man täglich etwas tut, was einem wirklich Freude bereitet, geht man keinen einzigen Tag „zur Arbeit“. Die Menschen, die ich kennenlernen durfte, leben für das, was sie tun.

 

Ausbildungs- und Einstiegsgehälter

Das wahrscheinlich größte Vorurteil im Bereich soziale Berufe ist das angeblich niedrige Gehalt. Verglichen mit anderen Berufen kann sich das Einstiegsgehalt allerdings durchaus sehen lassen, wodurch sich das Klischee für mich absolut nicht bestätigt. Das Gehalt im 5. Berufsjahr liegt deutlich über dem von Friseuren/-innnen, Verkäufern/-innen, Lokführern/-innen, Bankkaufmännern/-kauffrauen oder Kfz-Mechatronikern/-innen.

Außerdem werden die Gehälter nach Übernahme in ein Arbeitsverhältnis je nach Erfahrungsstufe und Berufserfahrung angepasst. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten bei der Diakonie Stetten regelmäßige Zulagen für die betriebliche Altersvorsorge, für Schichtarbeit und für Sonderformen der Arbeit (z.B. Nachtarbeit) sowie Jahressonderzahlungen und eine Kinderzulage.

Laut den Tarifverträgen der AVR Baden-Württemberg (AVR-WÜ) und der AVR Diakonie Deutschland (AVR-DD), könnt ihr mit folgenden Ausbildungs- und Einstiegsgehältern rechnen:

Heilerziehungsassistent/-in:

  • 1. und 2. Jahr – 964,91 €
  • Nach der Ausbildung – 2.369,42 €

Heilerziehungspfleger/-in:

  • 1. Jahr – 1.040,69 €, 2. Jahr – 1102,07 €, 3. Jahr – 1203,38 €
  • Nach der Ausbildung: Heilerziehungspfleger/in –  2.599,20 €

Arbeitserzieher/-in:

  • 1. Jahr – 1.040,69 €, 2. Jahr – 1102,07 €, 3. Jahr – 1203,38 €
  • Nach der Ausbildung: Arbeitserzieher/-in – 2.599,20 €

Altenpflegehelfer/-in AVR-WÜ:

  • 1. Jahr – 964,91 €
  • Nach der einjährigen Ausbildung AVR-WÜ – 2204,53 €

Altenpflegeschüler/-in AVR-WÜ:

  • 1 LJ – 1040,69 €, 2. LJ – 1102,07 € und 3 LJ – 1203,38 €
  • Nach der Ausbildung AVR-WÜ – 2635,53 €

Altenpflegehelfer/-in AVR-DD:

  • 901,76 €
  • Nach der einjährigen Ausbildung Einstiegsgehalt AVR-DD – 2258,30 €

Altenpflegeschüler/-in AVR-DD:

  • 1 LJ – 994,42 €, 2 LJ – 1064,82 € und 3 LJ – 1182,14 €
  • Nach der Ausbildung AVR-DD – 2825,61 €

 

Neugierig?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu einem sozialen Beruf zu kommen. Ein Freiwilligendienst bietet neben dem sozialen Engagement eine super Möglichkeit, um zu testen ob man sich diesen Beruf auch langfristig vorstellen kann. Sollte dies der Fall sein, hat man damit außerdem auch schon einen Teil der Zulassungsvoraussetzung für die Ausbildung Heilerziehungspfleger/in absolviert. (Dieses Zulassungskriterium gibt es derzeit nur im Bereich Heilerziehungspflege).

Darüber hinaus gibt es zum Kennenlernen Ferienjobs sowie Praktikumsmöglichkeiten (Kurzpraktikum oder auch über einen längeren Zeitraum von bis zu drei Monaten). Im FSJ in den Bereichen Altenhilfe und Behindertenhilfe erhält man ein Taschengeld in Höhe von 300.- Euro sowie bei Bedarf einen Zuschuss zu Fahrtkosten und Verpflegung.

Falls dieser Beitrag euer Interesse an sozialen Berufen geweckt hat, könnt ihr euch auf der Karriereseite der Diakonie Stetten weiter informieren oder euch über die Bewerberhotline 07151 – 940 5588 (montags-donnerstags von 8.30-16.00 Uhr und freitags von 8.30-15.00 Uhr) beraten lassen.

Für Fragen zum Thema oder Interesse an Zusammenarbeit, kontaktiert mich gerne.

 

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